Landausflüge in die Vergangenheit

Landausflüge in die Vergangenheit

Kolumbus

Kriegerische Kariben, Kolumbus, Piraten, Sklaven und Seeschlachten. Die Karibik hat viel erlebt. Interessierte Urlauber können im Rahmen von Karibik Kreuzfahrten auf den Spuren dieser aufregenden Zeiten wandeln. Es erwarten Sie spannende Landausflüge in die Vergangenheit der Karibik.

Kolumbus

Auf einer Karibik Kreuzfahrt kommt man an Kolumbus nicht vorbei. Fast alle Karibikinseln wurden von ihm entdeckt. Nach fünfwöchiger Segelfahrt über den Atlantik wollten Christoph Kolumbus und seine frustrierte Mannschaft ihr Vorhaben schon aufgeben, als sie am 12. Oktober 1492 Land sichteten. Die Seeleute glaubten, Japan gefunden zu haben, fuhren aber in Wirklichkeit auf die Bahamas zu. Damit begann eine neue Epoche von Wohlstand, Krieg und Unterdrückung. Aber der Reihe nach: Kolumbus wurde in den späten 40er Jahren des 15. Jahrhunderts in Genua geboren. In den 80er Jahren war er zur Überzeugung gelangt, dass Japan und die Reichtümer Ostindiens in westlicher Richtung auf dem Seeweg zu erreichen seien. Auf seiner Suche nach Geld wiesen ihn Portugiesen und Engländer ab. Die spanischen Monarchen Ferdinand und Isabella ließen Kolumbus fünf Jahre lang warten, während sie die letzten Araber aus ihrem Land vertrieben. Dann stimmten sie seinem Plan zu, weil sie den Einfluss Spaniens und der katholischen Kirche weiter ausbreiten und das seit langem bestehende arabische Monopol über die Handelsrouten nach Indien durchbrechen wollten.

Kolumbus Schlafzimmer in Santo Domingo

Schlafzimmer in Santo Domingo

Kolumbus stach am 3. August 1492 mit einer Flotte aus drei Schiffen in See, der Nina, der Pinta und der Santa Maria, seinem Flaggschiff. Kurz bevor er Land sichtete, musste er noch eine Meuterei verhindern. Kolumbus nannte die erste entdeckte Insel San Salvador, segelte dann nach Hispaniola weiter. Hier lief die Santa Maria auf Grund, und vierzig Spanier bauten die erste europäische Befestigung in der Karibik. Kolumbus war enttäuscht, weil es auf den Inseln nicht viel Gold und Gewürze gab. Mit einigen vermeintlichen Indern, mit Pflanzen und Tabakblättern als Vorgeschmack auf die Wunder, die noch zu entdecken waren, kehrte er schließlich nach Spanien zurück.

Im Jahr 1493 unternahm er eine zweite Reise mit einer viel größeren Flotte, vielen Männern für den Bau neuer Siedlungen und Priestern für die Bekehrung des! Eingeborenen. Einige der Siedler waren verurteilte Kriminelle, die nur unter der Bedingung begnadigt wurden, dass sie diese Reise unternahmen. Schon bald begannen die Kolonisatoren, die Arawak zu unterdrücken. Sie forderten Nahrungsmittel und Steuern in Form von Gold und Baumwolle, raubten die Frauen und zwangen die Männer in die Sklaverei. Bald brach ein Krieg aus, und nach drei Jahren waren die meisten der rund 200.000 Indianer tot. Sie fielen spanischen Gewehren, Schwertern oder den Pocken zum Opfer, die die Siedler eingeschleppt hatten. Die Europäer errichteten in Santo Domingo eine Hauptstadt und schützten ihre neue Kolonie mit einer Reihe von Forts.

Alcázar de Colón

Alcázar de Colón

Kolumbus kehrte nach Spanien zurück, nachdem er einen Weg nach Jamaika und Kuba ausfindig gemacht hatte. Fünf Jahre darauf war er wieder in der Karibik, um das Festland zu finden. Dies tat er auch, nachdem er Trinidad besucht und eine Rebellion unter den Siedlern von Hispaniola niedergeworfen hatte. Der ehrgeizige Admiral war verhasst, und ein Beauftragter der Königin Isabella ließ ihn verhaften und nach Spanien zurückschaffen. Eine vierte Reise von Kolumbus endete mit einer Katastrophe. Nachdem er die zentralamerikanische Küste entlang gesegelt war, lief er vor Jamaika auf Grund. Der Entdecker und seine Mannen mussten ein Jahr warten, bevor ein Schiff zu ihrer Rettung kam.

Landausflüge in die Vergangenheit: Festungen

Brimstone Hill Fortress

Brimstone Hill Fortress auf St. Kitts

Über vielen Siedlungen der Karibik thronen imposante Festungen – Zeugen einer Epoche, in der königliche Flotten und Armeen auszogen, um wertvolle Territorien zu verteidigen. Vor 200 Jahren war es ein schweres Schicksal, hierher abkommandiert zu werden. Nicht zuletzt wegen des damals oft tödlichen Gelbfiebers. Die Wehranlagen erinnern an eine Zeit der Gewalt und Unsicherheit, in der Trommelwirbel und schrille Signalpfiffe von hektischen Kriegsvorbereitungen kündeten.

Bau und Betrieb einer Festung der Größe Brimstone Hills auf St Kitts waren eine komplizierte Angelegenheit. Jeder Stein musste einzeln auf den Berg geschleppt werden, wo dann Bastionen, Schutzwälle, Paradeplätze, Kasernen, Küchen und ein Lazarett angelegt wurden. Brimstone Hill ist nach dem stechenden Schwefelgeruch benannt, der aus einer nahen Vulkanöffnung drang. Die Festung entstand in gut hundert Jahren, fasste über tausend Soldaten und wurde während der Kriege des 18. Jahrhunderts von Engländern wie Franzosen gehalten. Die größte Belastungsprobe kam 1782 mit der Belagerung durch 8000 französische Soldaten. Die Verteidiger wurden so schwer unter Beschuss genommen dass nur zwei Räume unbeschädigt blieben. Als sie nach einem Monat kapitulierten, zollten ihnen die Sieger Respekt wegen ihrer Tapferkeit und ließen sie ehrenvoll abziehen. Das Museum in Fort George, der Hauptbastion, zeigt einen Videofilm zur Belagerung.

Festung San Felipe del Morro in San Juan

Festung San Felipe del Morro in San Juan

Weitere Festungen gibt es zum Beispiel auf der Nachbarinsel Antigua. Die Hügel um English Harbour, einem wichtigen Glied der britischen Verteidigungskette auf Antigua, sind mit Wällen und Kasernen übersät. Sie schützten den wichtigen Marine Hafen, der heute als Nelson’s Dockyard bekannt ist. Dies die besterhaltene koloniale Werft der Karibik und wurde in den letzten vierzig Jahren zu einem Segelziel ersten Ranges restauriert. Die Werft ist nach Horatio Nelson benannt, dem man damit sicherlich keinen Gefallen getan hat. Er verabscheute den elenden Ort, an dem er von 1784 bis 1787 als Kapitän der Boreas diente. Nelson hatte die undankbare Aufgabe, den inoffiziellen Handel zwischen den Leeward Islands und Schiffen der jungen amerikanischen Nation zu unterbinden. Einmal saß er zwei Monate an Bord fest, weil ihn die aufgebrachten Pflanzer bei einem Landgang sofort gefangengenommen hätten. Bei der Verfolgung des französischen Admirals Villeneuve kehrte er 1805 ein einziges Mal in die Karibik zurück, blieb dort aber nur 24 Stunden.

Die Festungen Puerto Ricos überblicken die Vormarschwege nach San Juan, das von zehn Meter dicken Mauern umgeben ist. Auf der Landspitze erhebt sich San Felipe del Morro mit Schutzwällen und einem Irrgarten aus Tunneln und Verliesen. Im Fuerte San Cristobal musste man erst alle äußeren Bastionen einnehmen, um die innere Zitadelle zu erstürmen.

Landausflüge in die Vergangenheit: Piraten

Blackbeard's Castle auf St. Thomas

Blackbeard’s Castle auf St. Thomas

Vielleicht haben ja auch Sie in Ihrer Jugend gerne „Die Schatzinsel“ oder andere Piratengeschichten gelesen. Auf einer Karibik Kreuzfahrt können Sie auf den Spuren der Piraten wandeln. In Nassau gibt es ein sehr interessantes Museum. Spuren der Piraten kann man auf einer Karibik Kreuzfahrt an vielen Orten der Karibik besichtigen.

Vor 300 Jahren trieben Piraten der Karibik ihr Unwesen. Die Freibeuter lauerten in versteckten Buchten Schiffen auf, die sie mit ihren Schnellseglern angriffen. Das Seeräuberleben war nicht ungefährlich – wer erwischt wurde, bezahlte meist mit dem Leben. Allerdings lockte auch großer Reichtum. Ein guter Beutezug konnte für mehrere Monate ein Leben in Saus und Braus bedeuten.

Pirates of Nassau Museum

Pirates of Nassau Museum

Das Piratenunwesen in der Karibik setzte ein, als ruchbar wurde, dass die Spanier das Gold der Azteken abtransportierten. Das Risiko war für die Seeräuber von Anfang an hoch, denn wer spanische Hoheitsgewässer verletzte, musste mit der Todesstrafe rechnen. Doch Abenteurer wie Frangois le Clerc und Pie de Palo scheuten die Gefahr nicht und fingen die spanischen Schiffe ab. Im späten 16. Jahrhundert stießen britische Korsaren dazu, etwa Jack Hawkins und Francis Drake, die zunächst ein Vermögen im Sklavenhandel machten und später die wichtigsten Küstenstädte des damaligen spanischen Zentral- und Südamerikas plünderten. Piraten begannen ihre Karriere häufig als Freibeuter, die in Kriegszeiten mit Erlaubnis ihrer Gouverneure feindliche Schiffe angriffen. Diese Strategie war derart gewinnbringend, dass sie auf andere Schiffe ausgedehnt wurde, die man auch in Friedenszeiten nicht mehr verschonte. Ein einziger Überfall brachte unter Umständen riesige Reichtümer (Seide, Waffen, Tiere und Schnaps). Hatte man alles zu Geld gemacht, verjubelte man dieses in Kneipen und Bordellen. Dann hieß es erneut auf Raubzug gehen.

Dead Chest Island

Dead Chest Island
“Fuffzehn Mann auf des toten Manns Kiste…”

Auf den Piratenschiffen herrschte strengste Disziplin. Die Besatzung bestand meist aus erfahrenen Seeleuten, die auf kleinen, schnellen Schiffen unterwegs waren. Die Matrosen verpflichteten sich vertraglich, den Befehlen des Kapitäns Folge zu leisten. Sie mussten ihre Waffen pflegen und im Kampf Tapferkeit zeigen. Kartenspielen an Bord war nicht gestattet, das Einschmuggeln von Frauen bei Todesstrafe verboten. Delinquenten wurden ausgepeitscht oder mit etwas Wasser, Pistole und Munition auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Jeder hatte Anrecht auf einen Anteil an der Beute, aus der auch Verletzte entschädigt wurden. Meist war ein Musikant an Bord, der allabendlich außer sonntags für Unterhaltung zu sorgen hatte. Der Kapitän eines angegriffenen Schiffs wusste, dass die Piraten ihn töten würden, wenn er sich für den Kampf entschied. Manche Freibeuter gingen besonders grausam vor. Der Franzose Montbars soll seinen Opfern die Eingeweide herausgeschnitten haben, dann ließ er sie tanzen, bis sie tot umfielen. Ein Landsmann riss einem Mann das Herz heraus und ließ es einen anderen essen.

Blackbeard in einer BBC Dokumentation

Blackbeard in einer BBC Dokumentation

Im 17. Jahrhundert war in der Karibik kein Schiff vor den verhassten Piraten sicher. Dass es darunter schillernde Figuren gab, lässt sich nicht leugnen. Der berühmteste Pirat der Karibik hieß Blackbeard (Edward Teach). Der großgewachsene Mann war als Teufel verschrien und pflegte dieses Image, indem er Bänder in Zöpfe und Bart flocht und unter dem Hut langsam abbrennende Zündschnüre trug. Auf seine Ergreifung war eine Belohnung von hundert Pfund ausgesetzt. Als man ihn nach einer Verfolgungsjagd stellte, wählte er den Tod im Kampf, statt sich zu ergeben. Seinen Kopf hängte man an das Bugspriet seines Schiffes.

Bartholomew Roberts soll in zwei Jahren 400 Schiffe gekapert haben. Er trank nur Tee, auch wenn seine Mannschaft sich mit Rum vollaufen ließ, und er heiligte den Sonntag. Roberts war ein Dandy, der auch im Kampf elegant gekleidet war. Bei einem Scharmützel mit den Briten wurde er getötet. Stede Bonnet war Friedensrichter und Plantagenbesitzer auf Barbados, ehe er ein Schiff kaufte und Pirat wurde. Auch dieser Gentleman unter den Freibeutern wurde gefasst und gehängt. Morgan war ein Zwangsarbeiter, der um 1660 zum Anführer der Freibeuter von Port Royal avancierte und Raubzüge gegen Städte der Spanier führte. Beim Angriff auf Panama City, das dabei zerstört wurde, fielen ihm 750.000 Pesos in die Hände. Nach diesen Erfolgen wechselte er die Seiten, wurde Stellvertretender Gouverneur von Jamaika und bekämpfte hinfort die Piraterie.

Landausflüge in die Vergangenheit: Kariben und Arawak

Haus von Kariben

Haus von Kariben

Lange bevor Kolumbus die Inseln der Karibik entdeckte, hatten einheimische Indianer dort Land gerodet, Dörfer errichtet und Feldfrüchte angebaut. Stämme der Arawak und Kariben lebten bereits seit 5000 v. Chr. an der Karibikküste Südamerikas. Um 1000 v. Chr. flohen die Arawak vor ihren aggressiven Nachbarn und vertrieben ihrerseits die Ureinwohner Jamaikas. Gewalt und Vertreibung gab es also bereits vor Kolumbus Zeiten. Wenn Sie auf Ihrer Karibik Kreuzfahrt nach Dominica kommen, können Sie das Reservat der letzten Kariben besuchen.

Drei Gruppen der Arawak ließen sich auf den Inseln nieder, Die Taino auf Jamaika, Kuba und Haiti, die Lucayano auf den Bahamas und die Borequino auf Puerto Rico. Einige Jahrhunderte lang lebten sie in Frieden, ohne von den kriegerischen Kariben belästigt zu werden. Doch diese wurden immer mächtiger, und im späten 15. Jahrhundert, als Kolumbus eintraf, stellten ihre mit Kanus unternommenen Raubangriffe eine ständige Gefahr für die Inselbewohner dar.

Während die Arawak Körbe flochten und ihre Produkte-Maniok, Mais, Süßkartoffeln, Baumwolle und Pfeffer – auf den Inseln verkauften, plünderten die Kariben Dörfer und versklavten die Gefangenen. Sie waren große Meister in der Herstellung und Verwendung von Waffen, schössen zielgenau und schnell mit Pfeil und Bogen, wobei sie auch Feuer- und Giftpfeile verwendeten, und kannten eine Vielzahl von Keulen und Speeren mit grausamem Zubehör wie Feuersteinspitzen. Doch sie entwickelten auch andere Talente: Sie waren gute Töpfer. Jedes Dorf hatte sein eigenes Markenzeichen – oft ein Tier, das in die Keramiken eingeritzt wurde.

Kariben auf Dominica

Kariben auf Dominica

Die Grundlage für die Gemeinschaft der Arawak war die Familie. Ein Kazike (Häuptling) herrschte jeweils über eine Gruppe von Dörfern, wobei ihn ein Ältestenrat unterstützte. Diese waren auch religiöse Führer: Sie standen mit Naturgeistern und den Seelen der Ahnen in Verbindung und dienten gelegentlich als ihr Sprachrohr. Sie inhalierten Tabakrauch, fielen in Trance und übermittelten aus der Welt der Geister Ratschläge oder Prophezeiungen. Figuren der Naturgötter aus Holz oder Knochen wurden in besonderen Hütten aufbewahrt, die abseits von den normalen runden, strohgedeckten Behausungen der Dorfbewohner standen. Zu den religiösen Zeremonien zählten Tänze, Spiele und das Rauchen von Tabak. Die pulverisierten Blätter wurden in einer gegabelten Röhre (tabaco) angezündet, deren Enden in die Nasenlöcher geführt wurden. Einige Klans verwendeten Höhlen als Begräbnisstätten. Ritzzeichnungen von Symbolen und Gesichtern sind heute noch an Felswänden auf mehreren karibischen Inseln zu sehen. Kämpfer und Krieger wurden in der karibischen Gesellschaft hoch geachtet. Anführer im Krieg wurden aufgrund ihrer Leistungen gewählt. Religiöse Aktivitäten dienten dazu, einen rachsüchtigen Gott zu besänftigen. Die ersten europäischen Siedler zeichneten die Kariben als grimmige Kannibalen, die angeblich jeden aufaßen, der ihr Territorium betrat. In Wirklichkeit war ihr Kannibalismus rein ritueller Natur. Sie bestrichen ihre Knaben mit dem Fett eines tapferen Gefangenen, um ihnen Mut einzuflößen. Dennoch war die karibische Gesellschaft ohne Zweifel brutal. Gefangene wurden misshandelt, bevor man sie tötete.

Die Arawak und die Kariben waren in ihrer Ernährung zu einem großen Teil vom Meer abhängig, doch aßen sie auch fast alle Landtiere wie Echsen, Schnecken und Schildkröteneier. Vögel wurden in Netzen gefangen, die sie zwischen Ästen aufspannten, Fische mit Angeln, Speeren oder Giften aus Baumrinden. Der Tagesertrag wurde in einen Pfeffereintopf geworfen, der wochenlang vor sich hin köchelte. Solche Pfeffergerichte (pepperpots) – allerdings mit anderen Zutaten – sind heute noch auf Grenada anzutreffen.

Wir wünschen erlebnisreiche Landausflüge in die Vergangenheit der Karibik.

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